Invasive Art: Die Nutria (Biberratte)
Nutria - niedliches Tier oder Problem am Wasser?
Vielleicht hast du sie auch schon getroffen – du sitzt am Fluss, schaust aufs Wasser... und plötzlich nähert sich dir langsam ein kleiner, flauschiger „Biber“ mit orangefarbenen Zähnen und furchtlosem Blick. Nein, es ist kein Biber, sondern eine Nutria (Biberratte). Früher gab es sie bei uns gar nicht, heute findet man sie in fast allen größeren Städten – an Flüssen, Teichen oder Bächen. Oft werden sie gefüttert, gestreichelt und fotografiert, aber kaum jemand weiß, woher die Nutria stammt, was sie eigentlich frisst und warum sie ein Problem für die Natur sein kann.
In diesem Artikel möchte ich dir einige interessante Fakten über diese Tiere näherbringen, warum wir sie so oft in Städten treffen, wie man sich ihnen gegenüber verantwortungsbewusst verhält und warum ich ihnen wirklich keine Brötchen oder Essensreste zuwerfen sollte. Ich füge auch ein paar eigene Beobachtungen von Ausflügen hinzu.
Woher kommt die Nutria?
Die Biberratte (Myocastor coypus) stammt aus Südamerika, wo sie ursprünglich in freier Natur entlang von Flüssen, Seen und Sümpfen lebte. Sie ist ein an das Wasser angepasstes Nagetier – sie kann hervorragend schwimmen und gräbt sich Baue in die Uferböschungen.
Nach Europa (einschließlich Tschechien) wurde die Nutria vom Menschen eingeschleppt. Und zwar aus einem einzigen Grund: wegen ihres Pelzes. Im 20. Jahrhundert begann man bei uns und anderswo auf der Welt, Nutrias künstlich auf Farmen zu züchten – ähnlich wie Nerze oder Füchse. Nutriafell war damals sehr begehrt.
Doch mit der Zeit verschwanden die Pelzfarmen und einige Nutrias sind entweder in die Freiheit entwischt oder wurden sogar absichtlich ausgesetzt, als die Zucht nicht mehr rentabel war. Da sie sich bei uns gut eingelebt haben (genügend Wasser, Nahrung und milde Winter), begannen sie sich schnell zu vermehren.
Wie sieht eine Nutria aus und wie lebt sie?
Auf den ersten Blick kann man sie mit einem Biber oder einer Bisamratte verwechseln, aber die Nutria hat ein paar typische Merkmale:
• Der Körper ist etwa 40 - 65 cm lang, der Schwanz ist etwa 30 cm lang und rund, nicht flach wie beim Biber,
• Sie hat langes gelbbraunes Haar, manchmal gräulich oder rötlich,• Auffallend sind ihre großen orangefarbenen Nagezähne,
• An den Hinterpfoten hat sie Schwimmhäute,
• Oft sieht man sie ihr Fell putzen oder wie ein Eichhörnchen sitzen und Nahrung mit den Vorderpfoten halten.
Die Nutria ist ein Pflanzenfresser. In der Natur ernährt sie sich von Wasserpflanzen, Gras, Rinde und Wurzeln. Wenn Menschen sie füttern, nimmt sie fast alles – Brot, Karotten, Äpfel, Mais...
Tagsüber sieht man sie schwimmen oder ruhen. Sie gräbt Baue in die Uferböschung – dadurch kann sie die Stabilität von Teichen und Flüssen zerstören.Warum gibt es bei uns so viele Nutrias und wo liegt das Problem?
In den letzten Jahren haben sich Nutrias massiv in Tschechien verbreitet, vor allem in Tieflandgebieten und Stadtparks. Menschen sehen sie oft als niedliche Tiere an. Aber genau das ist das Problem.
Die Nutria hat bei uns keine natürlichen Feinde und vermehrt sich schnell, besonders wenn sie Futter von Menschen bekommt. Ein Weibchen kann bis zu dreimal im Jahr Junge bekommen, oft 6 - 9 auf einmal.
Warum ist das schlimm?
• Nutrias zerstören Uferböschungen durch ihre Baue – es drohen Erdrutsche.
• Sie vernichten Wasserpflanzen, was andere Arten gefährdet.
• Sie können Krankheiten übertragen (z.B. Leptospirose).
• Es ist eine invasive Art, die das ökologische Gleichgewicht stört.
Nutrias füttern – warum kein Gebäck?
Viele Menschen meinen es gut, aber mit Brot oder Brötchen schaden wir mehr als wir helfen.
Was ist daran falsch?
• Gebäck ist ungesund. Es verursacht Verdauungsprobleme oder führt zum Tod von Jungtieren.
• Sie verlieren ihre natürliche Scheu und werden aufdringlich oder aggressiv.
• Essensreste verfaulen im Wasser und verschmutzen es.
Wenn du füttern willst, dann nur ausnahmsweise und mit geeignetem Futter wie Karotten, Äpfeln, Mais oder Löwenzahn. Aber am besten: Gar nicht füttern, nur beobachten.
Wie soll man sich verhalten?
Nutrias sind immer noch Wildtiere und können beißen, wenn sie sich bedroht fühlen.
→ Einfache Regeln:
• Nicht anfassen und keine Jungen in die Hand nehmen.
• Kein Gebäck füttern.
• Vorsicht mit Hunden – Nutrias können sich wehren.
Fazit – was lernen wir daraus?
Nutrias sind keine Haustiere. Beobachte sie mit Respekt vor der Natur. Wenn du jemanden siehst, der sie mit Brötchen füttert, kläre ihn höflich auf.
Hilf mit, das Bewusstsein zu schärfen!
→ In Prag ist die Situation ernst. Auf der Schützeninsel (Střelecký ostrov) füttern Menschen täglich Nutrias mit Gebäck. Bitte teile diesen Artikel, wenn er für dich Sinn ergibt.
Ich habe auch Fotos von Nutrias auf Instagram – du findest sie ↗ hier.




