Silvester und Neujahr
Mir kam heute der Gedanke, für euch, neben meiner Serie über Weihnachtstraditionen und Bräuche, auch eine kleine Plauderei über die Bräuche rund um Silvester und Neujahr vorzubereiten. Denn Weihnachten klingt zwar langsam aus, aber das Jahresende bringt eine ganz andere Energie mit sich. Es ist eine Zeit des Abschieds, der Bilanzierung, der Toasts, der Wünsche und der stillen Versprechen, die wir uns oft vor allem selbst geben. Und wie es so ist, drehen sich Traditionen nicht nur um Weihnachten. Dazu gehören auch Silvesterfeiern, Neujahrsrituale und Kleinigkeiten, die sich vielleicht von Jahr zu Jahr ändern, deren Sinn aber gleich bleibt.
Machen Sie es sich also bequem, schenken Sie sich vielleicht ein Glas ein und lassen Sie uns gemeinsam schauen, wie wir das alte Jahr verabschieden und das neue begrüßen. 🥂✨
Und vergessen Sie nicht, auch meine Neujahrswünsche von Herzen für euch, meine treuen Leser, zu lesen.
Silvester bei uns in Tschechien
Bei uns in der Tschechischen Republik steht Silvester traditionell im Zeichen der Begegnung. Wir treffen uns mit der Familie, mit Freunden, veranstalten kleinere oder größere Partys und stoßen pünktlich um Mitternacht auf die Gesundheit an, meistens mit einem Glas Sekt. Es ist jener Moment, in dem wir uns vom alten Jahr verabschieden und mit Hoffnung das neue begrüßen. Zu den Silvesterfeiern gehörten lange Zeit auch Feuerwerke und Böller. Heute verschwindet diese Tradition jedoch allmählich, vor allem aus Rücksicht auf die Tiere, sowohl Haustiere als auch wildlebende. Und ehrlich gesagt, für mich ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Zudem gelten in einigen Städten bereits verschiedene Einschränkungen oder vollständige Verbote, daher ist es immer gut, sich vorab zu informieren und dies im Hinterkopf zu behalten. Mit Silvester und Neujahr sind auch Mitternachtswünsche verbunden. Viele Menschen wünschen sich um Mitternacht etwas, oft ganz leise, nur für sich selbst. Manche schreiben ihren Wunsch auf einen Zettel und verbrennen ihn symbolisch, damit er in Erfüllung gehen kann. Und vielleicht haben Sie auch schon von den Neujahrskarten (PF - Pour Féliciter) gehört, einer Tradition, bei der Familien, Einzelpersonen, aber auch Firmen vor Neujahr oder direkt danach Glückwünsche für Glück und Gesundheit im kommenden Jahr versenden.
Neujahr: Staatsfeiertag und Tag voller Symbolik
Der erste Januar ist bei uns ein Staatsfeiertag und mit ihm ist eine ganze Reihe von Bräuchen und Aberglauben verbunden, die beeinflussen sollen, wie das neue Jahr eigentlich wird. Eine große Rolle spielt das Essen für das Glück. Ein typisches Neujahrsgericht sind Linsen, ein Symbol für Fülle und Geld, da sie an kleine Münzen erinnern. Oft werden sie zusammen mit Schweinefleisch serviert, da das Schwein als Symbol für Glück und Wohlstand gilt. Beliebt ist Schweinebraten, Kesselfleisch mit Meerrettich und Äpfeln oder verschiedene Varianten von sauren Linsen. Im Gegensatz dazu gibt es auch verbotene Zutaten. Man sollte kein Geflügel essen, damit das Glück nicht „davonfliegt“, und auch keinen Hasen oder Kaninchen, damit das Glück nicht wegrennt.
Aberglaube, Bauernregeln und ein ruhiger Jahresbeginn
Mit Neujahr verbindet sich die bekannte Bauernregel: „Wie an Neujahr, so das ganze Jahr.“. In Tschechien ist sie sehr beliebt und viele Menschen versuchen zumindest symbolisch, danach zu leben. Am ersten Januar bemühen wir uns, entspannt, fröhlich und fleißig, aber nicht überlastet zu sein, und vor allem Streitigkeiten und negative Stimmung zu vermeiden. Einer der bekanntesten Aberglauben ist auch das Verbot, Wäsche zu waschen oder aufzuhängen. Der Tradition nach könnte dies Pech oder sogar Krankheit oder Tod in die Familie bringen. Und so wird dieser Tag eher als Zeit der Ruhe und Erholung betrachtet. Viele halten die Neujahrsruhe ein, an der keine schweren Arbeiten verrichtet werden. Andere wiederum machen Neujahrswanderungen und Ausflüge in die Natur, auf lokale Hügel, zu Aussichtstürmen oder nur einen kurzen Spaziergang, um aktiv und mit klarem Kopf in das neue Jahr zu starten.
Silvestershows und bekannte Fernsehprogramme
Wenn man Silvester sagt, erinnern sich viele von uns sicherlich auch an die Fernseh-Estraden und Spezialsendungen, die früher Teil der Silvesternacht waren. Bei uns in Tschechien hat Silvester eine tiefe Geschichte, die bis in die 50er Jahre zurückreicht, als die Abendausstrahlung mit einem ausgelassenen Programm am Jahresende ein wirklich außergewöhnliches Ereignis war. Zu Zeiten des Sozialismus waren diese Estraden eine der Hauptformen der Unterhaltung für die Zuschauer, die eigentlich kein anderes Fernsehen hatten. Ich erinnere mich aus Erzählungen, wie Theaterszenen mit Schauspielern wie Oldřich Kaiser und Jiří Lábus oder Jiřina Bohdalová und Vladimír Dvořák gespielt wurden, zusammen mit einer guten Portion Musik und humorvollen Einlagen, die wirklich die ganze Familie unterhielten. Es gab Unterhaltungskünstler und Illusionisten, die jenen richtigen weihnachtlich-silvesterlichen Zaubermoment einbrachten; vielleicht erinnern wir uns an die bekannte Fernsehsendung „Možná přijde i kouzelník“ (Vielleicht kommt auch ein Zauberer), in der man eben auf Kaiser, Lábus oder Korn treffen konnte. Es war im Grunde eine musikalische Unterhaltungssendung. Zu den Estraden gehörte natürlich auch Musik – traditionelle Geigenstücke, Pop sowie Improvisationen, Auftritte von Sängern und Orchestern, die sich mit Sketchen abwechselten. Und auch wenn das heutige Fernsehangebot nicht mehr so einheitlich ist wie früher, finden wir immer noch spezielle Silvesterprogramme: Auf ČT zum Beispiel Silvester-Nostalgiesendungen mit Vladimír Menšík oder thematische Dokumentationen über die Geschichte von Silvester, die an jene „guten alten Zeiten“ erinnern, als der Fernseh-Silvester ein echtes Ereignis war. Heutzutage kehren die klassischen Estraden mit großartigen Szenen, Musik und Gästen nicht mehr so oft zurück, eher mischen sich Archivaufnahmen, Specials moderner Sendungen oder thematische Programmblöcke am Abend und in der Nacht. Auf Nova wird zum Beispiel eine spezielle Silvester-Unterhaltungsausgabe der Sendung Možné je všechno! (Alles ist möglich!) ausgestrahlt, die Wettbewerbe, Gäste und ein leichtes Silvesterprogramm kombiniert.
Und heute? Heute ist es nicht mehr Silvester vom Wenzelsplatz wie früher, aber jeder kann wählen:
- manche machen sich ein Programm zu Hause mit der Familie und schalten Netflix, Disney+ oder HBO MAX ein,
- andere schauen die speziellen Sendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens,
- einige bevorzugen bekannte Filme, Märchen oder Dokumentationen nach eigenem Geschmack.
Obwohl sich das Format der Unterhaltung ändert, lebt der Geist der Silvester-Fernsehshows immer noch irgendwo weiter, sei es in Form von Erinnerungen, Archivclips oder moderneren Sendungen, die versuchen, die feierliche Atmosphäre des Jahresendes zu bewahren.
Fazit
Und ganz zum Schluss möchte ich euch allen ein wunderschönes und glückliches neues Jahr 2026 wünschen! 🎉🥂 Möge es voller Freude, Gesundheit, Liebe und erfüllter Wünsche sein, und möget ihr die Feierlichkeiten ohne unnötige Sorgen und mit einem Lächeln genießen. Seid gut zueinander, habt euch gern und schätzt die schönen Augenblicke mit der Familie, mit Freunden und mit euch selbst.
Und jetzt noch eine kleine Kuriosität: Warum heißt es eigentlich „Silvester“?
In Tschechien (und zum Beispiel auch in Deutschland, Österreich oder Polen) wird der letzte Tag des Jahres, also der 31. Dezember, Silvester genannt, nach dem Namen des heiligen Papstes Silvester I., der im 4. Jahrhundert lebte und genau am 31. Dezember des Jahres 335 starb. Sein Gedenktag im christlichen Kalender fällt auf diesen Tag, und als sich im 16. Jahrhundert der gregorianische Kalender etablierte und die Neujahrsfeiern genau zum Jahreswechsel gefeiert wurden, übertrug sich der Name des Feiertags mit der Zeit auf die gesamte festliche Nacht zwischen dem alten und dem neuen Jahr. Wenn wir also „Silvester“ sagen, denken wir nicht nur an Feuerwerk, Toasts und Partys, sondern wir erinnern uns eigentlich ein wenig an den Namen des Mannes, der diese Nacht in seinem Namenstags-Kalender hat.
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Illustration erstellt mit Hilfe der künstlichen Intelligenz ChatGPT.


