Weihnachtstraditionen und Bräuche: Die Adventszeit
Advent – Zeit der Erwartung, der Stille und des Lichts
Wenn die Adventszeit beginnt, verlangsamt sich die Welt um uns herum auf eine besondere Weise. Dabei beschleunigt sich paradoxerweise der Kalender: Städte und Dörfer zünden ihre Weihnachtsbäume oft schon am Wochenende vor dem ersten Advent an. Dieses moderne Verständnis vom „Beginn von Weihnachten“ verlagert die Atmosphäre nach vorne. Aber was bedeutet der Advent wirklich? In den vorherigen Kapiteln haben wir bereits erfahren, wie alles beginnt. Jetzt machen wir einen Schritt zurück zum eigentlichen Fundament.
Was ist der Advent?
Der Advent ist der erste Teil des liturgischen Jahres der christlichen Tradition. Er dauert vier Sonntage vor Weihnachten und ist mit der geistigen Vorbereitung auf die Geburt Jesu Christi verbunden. Das Wort „Advent“ stammt vom lateinischen „adventus“, was „Ankunft“ bedeutet. Und genau diese Bedeutung hält bis heute an: die Ankunft von Licht und Hoffnung. Während wir den Advent heute vor allem mit Dekoration, Adventskranz, Putzen und Geschenkkauf verbinden, hatte sein Ursprung eine viel leisere, konzentriertere Form. Es war eine Zeit der Einkehr und des Wartens. Ein kleines geistiges Durchatmen vor den großen Feiertagen.
Wann beginnt der Advent?
Der Advent hat kein festes Datum. Er kann jederzeit zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember beginnen, je nachdem, auf welchen Tag der erste Sonntag fällt. Damit öffnet sich die gesamte Weihnachtszeit, die erst mit Erscheinung des Herrn am 6. Januar endet. Und auch das ist schön: Weihnachten ist nicht nur ein dreitägiger Stopp. Es ist ein langer Weg, der genau hier beginnt.
Ein wenig Geschichte – die Vergangenheit gibt der Gegenwart Sinn
• Erster Sonntag: Stille, Konzentration, Beginn des Wartens
• Zweiter Sonntag: Buße, die Aufmerksamkeit nach innen richten
• Dritter Sonntag: Freude (deshalb auch die rosa Kerze auf dem Adventskranz)
• Vierter Sonntag: Ereignisse kurz vor der Geburt Jesu
Es ist wie eine Geschichte in vier Kapiteln. Jeder Sonntag ist anders, aber alle zielen in die gleiche Richtung: auf die Geburt des Lichts.
Advents-Traditionen, die dazugehören
Einige Bräuche haben wir bereits im Kapitel über die alten Adventsgestalten (Barbara, Ambrosius, Lucia, Perchta und Nikolaus) kennengelernt. Aber es gibt auch sanftere Traditionen:
Kuss unter dem Mistelzweig
Die Mistel symbolisierte Glück, Schutz und nach keltischer Tradition auch Fruchtbarkeit. Bei uns hat sich vor allem der Kuss unter dem Mistelzweig etabliert – ein kleines jährliches Versprechen der Liebe bis zum nächsten Weihnachtsfest.
Adventskalender
Heute eher eine Freude für Kinder (obwohl... seien wir ehrlich, auch Erwachsene lieben ihn). Er hat 24 Türchen, die ab dem 1. Dezember geöffnet werden – eine Tradition, die viel jünger ist als der Advent selbst.
Die Krippe (Betlém)
Ob aus Holz, Keramik oder Papier – die Krippe gehört zu den schönsten Symbolen. Einst war der Bau der Krippe eine gemeinsame Therapie für die ganze Familie: Kerzenlicht, Ruhe und Hände, die mit Gestalten beschäftigt waren.
Und natürlich der „Adventskranz“
Wir haben ihm ein eigenes Kapitel gewidmet, aber hier zur Erinnerung: Er entstand ursprünglich mit 24 Kerzen als Lernmittel für Kinder, damit sie sehen konnten, wie lange es noch bis Weihnachten dauert. Heute trägt er vier Kerzen und die gleiche Botschaft: Das Licht nimmt zu, je näher Weihnachten rückt.
Fazit?
Ich denke, die Adventszeit besteht nicht nur aus vier Sonntagen und dem Anzünden von Kerzen, sondern auch aus all den alten Gestalten und Wesen, die einst durch die dunklen Gassen des Winters zogen. Heute, am 4. Dezember, wenn traditionell die „Barborky“ (Barbarazweige) geholt werden, schneiden viele von uns einen Kirsch- oder Weichselzweig und warten, ob er bis Heiligabend blüht. Es ist ein kleines Wunder mitten im Winter, das uns daran erinnert, dass Licht und Hoffnung immer zurückkehren. Die meisten Familien bereiten sich auf die Ankunft des heiligen Nikolaus vor. So wird der Advent zu einer Zeit, in der wir die Gelegenheit haben, innezuhalten und den Menschen näher zu sein, die sonst im Alltagsstress verschwinden. Wir vergeben einander, wir räumen nicht nur unsere Wohnungen auf, sondern auch unsere Köpfe und Herzen. Es ist magisch. Als würde in uns gerade jetzt die Sehnsucht nach Nähe, Herzlichkeit und einfacher menschlicher Güte erwachen. Es geht um die grundlegenden menschlichen Werte. Ein guter Mensch zu sein. Darum geht es am meisten.
Ich wünsche euch eine wunderschöne Adventszeit und ein friedliches Warten auf den Heiligen Abend. Und keine Sorge, mit diesem Kapitel hören wir definitiv nicht auf. Weihnachten ist vielleicht die reichste Zeit überhaupt...





